Lehrercoaching Lehrerblog Vorsicht vor Burnout Fallen

Vorsicht vor Burnout-Fallen!

Hallo ihr Lieben,

In meinem letzten Artikel ging es um die Anforderungen im Referendariat und im Lehreralltag danach. Den findet ihr hier.

Weil das Thema Burnout allein schon modetechnisch in aller Munde ist und ich eine persönliche Anfrage zu diesem Thema bekommen habe, möchte ich kurz dafür ein paar Impulse setzen. Natürlich sollte Burnout niemals in Mode sein. Leider geht vielen immer noch schnell die Frage über die Lippen: „Ey, hast Du eigentlich ein Burnout?“. Aber für den Fall, wenn es wirklich so ist, ist das alles andere als witzig.

Zuallererst frage ich mich, wie man teilweise mit Kollegen umgeht, die eben nicht mehr „ganz rund laufen“! Abgesehen davon, dass mir an der Stelle das weitreichende Verständnis fehlt, verwundert mich einfach der Umgang damit untereinander. Statt Mitgefühl und Nachsicht zu zeigen, ist man einem regelrechten Shitstorm ausgesetzt, so ging es jedenfalls einem jungen Berufseinsteiger kurz nach seinem Referendariat. Ja, jetzt entgegnet der Eine vielleicht „der kam schon im Referendariat nicht klar“ oder dass das absehbar war etc.

Nun an der Stelle mal ein ganz dringender Appell an alle Betroffenen: Seid bitte nachsichtig mit euch selbst. Das müsst ihr euch nicht anhören. Distanziert euch bitte sofort. Ich erlebe immer wieder, wie sich Coachingnehmer Vorwürfe deshalb machen, irgendwas übersehen zu haben und so weiter und sofort. Das sind meistens die Menschen, die wirklich Tiefgang haben und verstehen wollen, was eigentlich passiert ist, während sich andere kaum um die Gesundheit anderer scheren… Bitte unterlasst diesen Bewertungsmindfuck in eigenen Reihen, das schwächt euch selbst nur zusätzlich. Wichtiger ist, zu überlegen, wie komme ich da jetzt wieder raus. Oder im Idealfall: wie komme ich erst gar nicht in so eine Situation?

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Ohne jetzt im Detail darauf eingehen zu wollen, ich bin auch kein Arzt, welche Ursachen in Einzelfällen vollends bewertet werden, möchte ich euch trotzdem aus meiner Coachingpraxis ein paar wertvolle Impulse mitgeben. Betrachtet dies als einen Erste Hilfe Baustein – ich sag bewusst Baustein – da die Gründe, die zu einem Burnout führen können, vielfältig im Innen und Außen liegen können. Als Personal- und Organisationentwicklerin kann ich jedoch eins dazu sagen: wenn Burnout in bestimmten Organisationen häufig vorkommt, stinkt der Fisch oft vom Kopf. Das heißt, in diesem System stimmt etwas nicht. Also seid achtsam und beobachtet, wo viele Burnout-Betroffene zugegen sind und in welchen Funktionen diese arbeiten. Es können dort Anlagen vertreten sein, die eben keine fruchtbaren Arbeitsbedingungen schaffen.

Fruchtbare Arbeitsbedingungen wären z.B. eine offene Kultur, wo Mitarbeiter gehört werden und mitgestalten können. Oder es wird aktives Gesundheitsmanagement betrieben und für eine gute Balance zwischen Be- und Entlastung gesorgt. Ein Boreout ist nämlich auch nicht gerade geil. Im Optimalfall werden eure Fähigkeiten exakt da geparkt, wo sie Anklang finden und wo ihr im Flow seid, was nicht bedeutet, dass ein paar Routinearbeiten ebenso nicht zum täglichen Brot gehören dürfen. Es ist eine Kultur der Wertschätzung. Und das spiegelt sich in den Werten, der Kommunikation, in den Funktionen, im Führungsstil usw. wider. Dazu werde ich gerne noch einen separaten Artikel verfassen, woran ihr das im Detail erkennt.

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Also um Burnout vorzubeugen, hier ein paar hilfreiche Impulse für euch:

1. Grenzen bewusst machen

Werdet euch eurer Grenzen bewusst und vertretet sie angemessen. Wenn nötig, dann auch mit Nachdruck. Also werdet achtsamer mit euch. Was bedeutet das konkret? Mit Grenzen meine ich nicht nur äußere Grenzen, sondern auch innere Grenzen. Das setzt voraus, dass ihr vor allem ehrlich mit euch selbst umgeht und dazu steht, auch wenn es anderen nicht gefällt. Wenn euch das schwer fallen sollte, was völlig in Ordnung ist, dann holt euch bitte frühzeitig Unterstützung. Sprecht auch mit Angehörigen und engen Freunden über das Anliegen und holt euch Feedback ab. Die Menschen, die euch lieben und es gut mit euch meinen, respektieren immer eure Grenzen und eure Integrität.

Hier mal ein kleines Beispiel, wo das Ganze schon anfängt: Falls jemand auf euch zukommt und fragt, ob ihr noch eine Zusatzaufgabe übernehmen könnt, antwortet nicht einfach mit „Ja klar“, sondern verschafft euch Zeit, bis ihr in Ruhe darüber nachgedacht habt, ob ihr diese Aufgabe auch erfüllen möchtet und warum. Kommuniziert das auch. Das könnte dann so klingen: „Danke, dass Du an mich gedacht hast. Ich fühle mich geschmeichelt. Allerdings möchte ich darüber nachdenken und komme demnächst auf dich zu, wenn ich mich entschieden habe.“ Ihr könnt auch fragen, bis wann euer Gegenüber eine Antwort benötigt. Sollte euer Gegenüber anfangen Druck auszuüben, dann lasst am besten direkt verlauten: „Also, wenn Du jetzt sofort eine Antwort brauchst, dann lautet diese nein.“ Dann verzichtet besser. So setzt ihr einen klaren Punkt und signalisiert, dass ihr euch nicht unter Druck setzen lasst, im Zweifel verzichtet und bei euch bleibt. Alternativ könntet ihr auch einen Konsens anbieten, der so aussieht, dass ihr einen Teil der Aufgabe übernehmt und einen anderen Teil eben nicht. So zeigt ihr euch kompromissbereit und grenzt euch gleichzeitig ab. Oder ihr könnt sagen: "Wenn ich die Aufgabe X übernehmen soll, muss ich die Aufgabe Y abgeben, da ich sonst keine Kapazitäten dafür habe."

2. Grenzen setzen

Beim Grenzen setzen ist es auch manchmal wichtig, dass ihr schon zu Beginn dieses Set setzt. Also wenn ihr im Vorfeld schon wisst, was ihr wollt oder nicht wollt, dann kommuniziert das und betreibt Erwartungsmanagement und zwar so genau wie möglich. Sagt genau, was das Eine oder das Andere für euch bedeutet und bleibt euch auch selbst treu. Damit meine ich, dass ihr niemandem gestattet, diese Grenze zu übertreten. Es gibt unterschiedliche Strategien, wie es dazu kommen kann, dass man dennoch versucht eure Grenzen zu übertreten. Ihr spürt es, wenn es soweit ist.

Grenzüberschreitungen geben euch Hinweise darauf, welcher Wert, welches Bedürfnis etc. gerade verletzt worden ist. Deshalb seht in dem Punkt das Gute, denn es führt euch direkt zu euren inneren Antreibern und dem, was euch wirklich wichtig ist.

3. Grenzen überprüfen

Überprüft auch, ob eure Grenzen respektiert werden. Das ist eigentlich auch mit das wichtigste für euer Wohlbefinden und zwar in jeder Beziehung. Ob es die Arbeit ist oder euer Privatleben, ist in dem Fall egal. In dem Moment, wo jemand eure Grenzen bewusst missachtet, müsst ihr andere Geschütze auffahren und Konsequenzen ziehen. Das kann sogar soweit gehen, dass ihr unter Umständen sogar die Kündigung einreicht, um euch selbst was Gutes zu tun. Übergeht ihr den Impuls, kommt ihr in die Opferrolle und das macht euch handlungsunfähig. Deshalb seid hier besonders aufmerksam.

4. Sinnfrage stellen

Ganz wichtig ist eine der wichtigsten Fragen, um wieder klar sehen zu können: Was ergibt für euch einen Sinn? Stellt euch also die Sinnfrage. Damit meine ich konkret, fragt euch bitte, wofür ihr etwas genau tut. Beispielsweise könntet ihr euch fragen: Wofür unterrichte ich jeden Tag? Und die Antwort könnte lauten: "Weil ihr den Schülern etwas Gutes tun wollt. Oder weil ihr eine Summe x verdient oder weil ihr die Abwechslung schätzt und und und!" In dem Modus übernehmt ihr Verantwortung für euch selbst. Spannend wird es, wenn ihr einen Wertekonflikt habt. Dann müsst ihr das einmal aushandeln, was genau überwiegt bzw. was aktuell wichtiger ist und was nur temporär. Also was könnt ihr tatsächlich noch aushalten und was ist wirklich richtig wichtig oder was macht euch unter Umständen krank, wenn x so weitergeht? Welches Bedürfnis wird dadurch angesprochen oder vernachlässigt? Wobei fühlt ihr euch gut? Bei welcher Tätigkeit/ Hobby/ mit welchen Menschen/Klassen usw.? Was sind kurz-, mittel- oder langfristig eure beruflichen oder privaten Ziele? Stellt euch auch hier die Frage: Wenn ihr 85 Jahre alt seid und auf euren Leben zurückblickt, welches Leben wollt ihr gelebt haben? Wenn ihr merkt, dass ihr da, wo ihr jetzt seid, nicht mehr sein wollt, respektiert auch diese Grenze und macht euch auf den Weg zu neuen Ufern. Verschwendet keine Zeit. Mehr dazu könnt ihr in meinem Blogartikel „Mehr handeln, weniger hadern“ lesen. Hier an der Stelle ist es wirklich wichtig, in den Flow zu kommen. Im Flow habt ihr eine andere Energie. Ihr seid im positivem Mindset und davon wollen wir mehr. Das kann schon durch einen Klassenwechsel erreicht werden.

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Hier ein Beispiel: Wenn ihr also merkt, ihr könnt mit der Dynamik einer Klasse nicht umgehen, warum auch immer, dann klärt direkt mit der Schulleitung, euch entweder Hilfestellung zu geben oder sich eben in eine andere Klasse versetzen zu lassen. Schützt euch also selbst. Wenn eure Schulleitung euch nicht ernst nimmt und das abtut, dann stimmt was nicht. Achtet darauf, dass auch hier eure Grenzen gewahrt und respektiert werden. Der Kommentar “Ja aber dies geht nicht“ oder „Ja aber das geht nicht“, führt hier – wie grundsätzlich ein „ja aber“ – nicht zum Ziel. Bleibt bei eurer Position und denkt an euer Wohlbefinden. Wenn euch hierzu das Selbstbewusstsein fehlt, was in Ordnung ist, holt euch Unterstützung, wie man sich souverän selbst behauptet. Was soll eure Schulleitung tun: euch ins Lehrergefängnis stecken? Prüft auch die Konsequenzen an der Stelle, die ein NEIN eurerseits bedeuten könnte. Jede Entscheidung bedeutet Verantwortung: an der Stelle, eben auch euch selbst gegenüber. Wenn ihr euch nicht wichtig nehmt, dann wird das eure Schulleitung auch nicht tun.

5. Work-Live-Balance Inventur

Prüft eure Work-Life-Balance und macht eine Inventur. In meinem Blog Artikel „Corona als Chance“ könnt ihr hier sinnvolle Leitfragen finden, um von euch selbst eine Inventur zu machen. Die Beantwortung der Fragen geben euch Hinweise darauf, in welchen Lebensbereichen Unstimmigkeiten vorherrschen, was die nächsten Ziele sein können und wo positive Ressourcen liegen, um auch mal eine herausfordernde Zeit zu überstehen. Gefährlich wird es, wenn ihr beruflich und privat gleichermaßen Herausforderungen ausgesetzt seid, die euch überfordern. Deshalb ist das Thema positive Ressourcen schaffen, sehr sehr sehr wichtig.

6. Ein Blick von außen wagen

Stichwort Ängste: Beim Burnout ist es ja schon mal so, dass man im Vorfeld mit bestimmten Dingen gekämpft hat, wovon man erwartet hat, dass sich eine Veränderung einstellt. Also eine gewisse Angst dahinter, mit einem Zustand eben nicht umgehen zu können, wenn sich etwas eben nicht ändert. Lest hierzu auch meinen Artikel zum Thema Selbstzweifel. Das heißt, ihr habt euch unter Umständen auch vorher abgearbeitet oder die Zähne ausgebissen und euer Einsatz hat nicht zu der Verhaltensänderung oder Belohnung geführt, die ihr euch gewünscht habt. Das verstehe ich natürlich. Das schmerzt. Allerdings gibt es einen Hinweis darauf, dass ein wichtiges Bedürfnis, was euch wirklich wichtig ist und am Herzen liegt, nicht erfüllt wurde. Prüft bitte an der Stelle kritisch, ob es nun realistisch ist, darauf zu warten, ob es in Zukunft erfüllt wird und stoppt eure Bemühungen. Durchleuchtet einmal das System von außen. Stellt euch bitte vor, ihr steht vor einer Fensterscheibe, während sich die Ereignisse dort drinnen so zeigen, wie sich eben darstellen. Ihr allerdings bleibt bitte draußen. Was würde eine dritte Person zu der Situation dazu sagen? Wie würde sie die Situation realistisch einschätzen? Was kommen für Gedanken? Welche Ängste sind berechtigt? Und welche vielleicht nur ein Karussell aus Antreibern, die ihr mal gelernt habt und gar nicht mehr zu euch passen? Hier gibt es noch einige Strategien, wie man zwischen belastende Situationen Distanz bringen kann. Bei Bedarf sprecht mich an oder ich poste einen separaten Artikel dazu.

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7. 80/20 oder 120%

Eine Sache noch vorweg: an alle Perfektionisten da draußen. Persönlichkeitstypen spielen bei Burnout auch keine unwichtige Rolle. Jedenfalls, um den Rahmen hier nicht zu sprengen. Etwas sehr genau zu machen, also nahezu perfekt, ist erst mal nicht schlimm. Auf euch ist Verlass, das steht fest. Ihr macht eure Sache wirklich gut und meistens sehr detailliert. Ihr habt ein super Auge für Details. Allerding führt Perfektionismus zu sehr viel Arbeit und damit schadet ihr euch selbst. Überlegt, wann 80 % okay sind und wann 120 % angemessen sind, wie z.B. in eurer Abschlussprüfung. Bei 25,5 Stunden und zig Tätigkeiten nebenbei als Lehrer könnt ihr es nicht perfekt machen. Keiner kann das. Und wisst ihr was: das ist völlig in Ordnung, ihr seid trotzdem wundervoll, äußerlich, wie auch innerlich. Ich erinnere gerne an mein Zitat aus dem Artikel zum Thema Selbstzweifel: Ihr habt nur ein Leben. Um es allerdings perfekt machen zu können, bräuchtet ihr zwei: eines um zu Lernen und eines um es perfekt zu machen. Also seid nachsichtig mit euch selbst. Die Anforderungen im Umfeld Schule sind einfach zu vielfältig.

Mehr zum Thema Burnout Prävention und Anti-Stress-Management für Lehrer findet ihr unter meiner Page in meinem Coachingprogramm.

Zu den unterschiedlichen Methoden „Nein“ zu sagen, folgt an dieser Stelle bald ein eigener Artikel.

Bianka Vetten

Bianka Vetten

Dein Lehrercoach & Partner

Ehemalige leidenschaftliche Studienrätin und Ausbilderin, Business- und Karrierecoach, Trainerin, Reiss Motivation Profile Masterin, Personal-, Organisations- und Teamentwicklerin

bianka@lehrercoaching.de

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