Hallo ihr Lieben,

An alle, die gerade noch im Referendariat sind oder bereits fest im Sattel sitzen und sich gewissen Herausforderungen ausgesetzt sehen oder meinen, alles würde gegen euch sein oder ihr müsst euch verbiegen: denkt dran, dass ein Flugzeug immer gegen den Wind abhebt (nach Henry Ford).

Mal abgesehen davon, dass das Referendariat mit 10 Unterrichtsbesuchen in 1,5 Jahren an sich schon sehr sportlich ist – vor allem, wenn man sich fachlich und menschlich noch entwickeln möchte – wird es mit all den zusätzlichen Anforderungen noch viel herausfordernder.

Hier nur mal ein paar Beispiele: Der eine Fachleiter will das so, der andere Fachleiter legt Wert auf was anderes, dem Hauptseminarleiter geht es wiederum noch mal um ganz andere Dinge. Die Ausbildungslehrer, vorausgesetzt sie nehmen sich wirklich Zeit und eure Ausbildung liegt ihnen am Herzen, haben auch noch was dazu beizutragen. Der Schulleiter meldet sich drei bis viermal auch noch zu Wort und dann kommen da noch die Kollegen, die mit der einen oder anderen Zusatzaufgabe um euch werben, weil man will ja auch eine gute Note und sich neben dem Unterricht einbringen. Je nach Prüfer in der UPP, kann man auch schon mal ganz schön ins Zittern kommen: mich fragte mein Prüfer bei der UPP, als er mir die Hand zur Begrüßung gab: „Haben Sie eigentlich keine Angst?“ Wäre ein „ich wünsche Ihnen viel Erfolg geworden“ nicht angemessener gewesen? Manchmal hält man besser die Klappe und denkt sich einfach: „Ah ja“ oder „Hallo, geht’s eigentlich noch?“ Das hat bei mir ganz schön für Irritation gesorgt.

Lehrercoaching Lehrerblog Referendariat vs Lehreralltag

Jedenfalls ist im Referendariat der Spagat zwischen „Hallo geht’s eigentlich noch?“ und „Ich sag besser mal nichts“ sehr sehr sehr, wirklich sehr sehr gering. Warum? Logisch, ihr werdet beobachtet, benotet, verplant und wollt schließlich einen guten Eindruck hinterlassen, da ihr natürlich gute Noten und schlussendlich im Anschluss auch eine Stelle haben wollt. Wer läuft schon gerne nach gefühlt 10 Jahren Lehramtsstudium, 1,5 Jahren Referendariat, noch jahrelang den Stellen hinterher? Kurz um, ihr habt ganz schön viel zu tun.

Ein Fachleiter sagte mal zu einer Referendarin: „Ach, im Referendariat wollen wir eigentlich nur sehen, wie hoch ihr springen könnt.“ Danach sieht der Alltag jedoch ganz anders aus. Und die Referendarin fragte sich „Wozu dann das Ganze? Wieso bildet man uns Referendare nicht so aus, dass wir im Alltag überstehen?“

An der Stelle hätte sie gerne mal realistisch gewusst, was da eigentlich auf sie zukommt. Kritiker würden jetzt sagen, man soll ja auch in der Klasse im Alltag guten Unterricht machen. Genau, mit 25,5 Stunden oder in anderen Schulformen mit noch mehr Stunden und den ganzen Aufgaben nebenbei, macht man natürlich ausschließlich guten Unterricht. Darf es noch ein bisschen mehr sein?

Der Lehrercoaching® Newsletter

Trag dich ein und erhalte die neusten Infos und Impulse.

PS. Kein Spam! Erfahre mehr in meiner Datenschutzerklärung.

Lehrercoaching Lehrerblog Referendariat vs Lehreralltag

Und doch ist das Ziel so nahe, die ersehnte Stelle winkt. Die UPP habt ihr auch abgehakt, endlich nähert sich Erleichterung. Ihr fühlt euch gewappnet, mehr oder weniger, dem Schulalltag zu begegnen und schreitet zur Tat. Und nach einer Gnadenfrist von ein bis zwei Wochen nach den Schulstart (ich übertreibe jetzt ein bisschen, so ging es zumindest einer dienstjungen Coachingnehmerin von mir) geht es los: Der Welpenschutz ist vorbei!  Schließlich seid ihr dann festes Mitglied im Team und sollt natürlich auch was für euer Geld tun. Wie kann der Lehreralltag also nach dem Referendariat aussehen? Also wenn ihr gut wart im Referendariat, dann könnte das wie folgt aussehen:

  • 25,5 Stunden
  • 4 – 5 Klassenleitungen
  • Zusatzaufgaben
  • Konferenzen
  • Noten
  • Verwaltung
  • Mahnstufen
  • Telefonate mit Eltern, Betrieben und anderen Organisationen
  • Zig neue Klassen
  • Inklusion
  • Analog statt Digital
  • Teamwork?
  • Feierabend?

… euch fällt bestimmt noch was ein…was hier noch nicht steht.

Was denkt ihr gerade?

Das kann doch nicht alles sein? Und ob! Denkt dran, ihr müsst noch zwei mal zwei Runden beim Schulleiter vortanzen, schließlich wollt ihr doch die Verbeamtung auf Lebenszeit oder nicht? Fragt ihr euch also, ob das Schauspiel jetzt so weiter geht? Und die Antwort ist: JA! Willkommen als vollwertiges Mitglied im Schuldienst.

Jetzt geht es so richtig los:

Psst“ sagt die Abteilungsleitung, „wenn Du dies oder jenes machst, dann bekommst Du ne gute Note!

Psst“ sagt der Kollege, „komm mal in meine Klasse, Du musst doch noch Lehrprobe machen oder? Willst Du direkt die ganze Reihe planen? Ich geh dann mal Kaffee holen.“

Psst“ sagt der Kollege aus der Abteilung Marketing, „willst Du vielleicht ne extra Aufgabe machen? Kommunikation liegt dir doch.“ By the way, was für ne Abteilung? Ein Organigramm mit Beschreibungen der Tätigkeiten konnte ich auf der Page nicht finden.

Psst“ fragt die Bildungsgangleitung, „Du machst demnächst noch eine Klassenleitung mehr, der Kollege Meier kann das nicht, der unterrichtet nur einstündig Politik.“

Psst“ sagt der Schulleiter, „können Sie uns bitte während Corona doppelt unterrichten? Einmal in Präsenz und einmal in digitaler Form? Sie stehen doch noch am Anfang und haben noch die Energie dafür.“

Lehrercoaching Lehrerblog Referendariat vs Lehreralltag

Praxisschock? Nein, nur der ganz normale Lehreralltag! Geil sind dann noch die Kollegen, die dann meinen, man soll sich mal nicht so anstellen, in der Wirtschaft ist das auch so, allerdings selbst noch nie in der Wirtschaft zugegen waren. „Das ist gängige Praxis, heißt es dort!“

Oder die Leute von außerhalb, die der Meinung sind: „Ihr Lehrer zieht doch in x Jahren alles aus dem Regal.“ Das sagen dann auch die Kollegen, die kurzerhand auf ein Burnout hinsegeln und sich sagen: „Ja, ich muss das aushalten, in ein paar Jahren greife ich aus dem Regal oder sie trösten sich damit, dass es in der Wirtschaft, also woanders, eben auch so ist. Dann besser den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.

An alle Referendare oder Einsteiger oder eingesessene Hasen da draußen: es gibt Hoffnung. Denkt Ihr, so läuft das überall? Der Tellerrand ist so viel größer.

Wie immer gilt: Wenn Ihr Themen habt, die euch beschäftigen, über die schreiben soll, hinterlasst mir eine Nachricht. Über eure Impulse, Feedback und Gedanken freue ich mich.

Herzliche Grüße

Eure Bianka

Bianka Vetten

Bianka Vetten

Dein Lehrercoach & Partner

Ehemalige leidenschaftliche Studienrätin und Ausbilderin, Business- und Karrierecoach, Trainerin, Reiss Motivation Profile Masterin, Personal-, Organisations- und Teamentwicklerin

bianka@lehrercoaching.de

close

Lehrercoaching® Newsletter

TRAG DICH EIN UND ERHALTE DIE NEUESTEN INFOS UND IMPULSE!

PS. Spam-freier Newsletter! Erfahre mehr in meiner Datenschutzerklärung.