Lehrercoaching Lehrerblog Konfliktlösung durch wertschätzende Führung

Konflikte und Unterrichtsstörungen durch wertschätzende Führung lösen

Hallo ihr Lieben,

Unterrichtsstörungen und Konflikte sind alltäglich. Wie oft höre ich: 

Der Schüler X ist schwierig!
Der Schüler Y hat heute wieder meinen ganzen Unterricht gesprengt. Ständig quasselt er dazwischen. Der hat ADHS.
Der schläft nur!

Klar, könnt ihr die Schüler auch herausschmeißen, ignorieren oder auch maßregeln. Im Zweifel folgt eine schlechte Solei-Note, da der Schüler X dem Unterricht nicht folgen konnte und gewisse Fragen eben nicht fundiert beantwortet. Gewisse Regeln, wie z.B. sich ausreden lassen, sich nicht ankeifen oder andere gängige Klassenregeln etc. sind unumgänglich und sind hiermit auch nicht gemeint. Die Frage ist, bringt eine ständige Maßregelung die Beziehung zum jeweiligen Schüler voran oder behindert es diese? Ihr schadet euch damit eigentlich selbst. Denn ihr wollt doch auch eine Kultur der Harmonie und Wertschätzung in euren Klassen, oder? Ruhe und Teamwork?

Ignoriert man Konflikte und Störungen, lösen sie sich nicht auf, sondern werden eher stärker und eskalieren unter Umständen. Die Konfliktspirale wird in Gang gesetzt und der Teufelskreis nimmt seinen Lauf. Die Energie ist manchmal kaum noch aufzuhalten. Ignoriert ihr sie, heißt das also nicht, dass sie weg sind. Das Gegenteil wird der Fall, die ignorierten Konflikte bauen sich auf und werden zu einem anderen Zeitpunkt wieder sichtbar, und zwar in verstärkter Weise.

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Hierzu ein kleines Beispiel:

Eine damalige Kollegin von mir war gerade in ihrer Probezeit. Sie hatte eine ihrer letzten UB´s zur Verbeamtung auf Lebenszeit abzuleisten. Ich weiß nicht, was da genau in der Klasse vorging, allerdings war es nicht fruchtbar. Das zeigte sich dadurch, dass die Schüler (eine duale Ausbildungsklasse zum Groß- und Außenhandel) zum anberaumten Termin für ihren Unterrichtsbesuch einfach geschlossen nicht gekommen sind. Das war ein Boykott, der unter der Haube sehr peinlich war, vor allem für meine Kollegin. Ich werde das nie vergessen, wie entgeistert sie auf dem Schulhof stand und ich fragte: „Was ist los? Und wie lief es?“ Und sie entgegnete: „Du, die sind alle nicht da. Die haben mich auflaufen lassen.“ In dem Moment sind ihr die Tränen in die Augen geschossen. Sie fühlte sich nicht nur beschämt, sondern es schmerzte sie, sehr sogar. Verständlich. Das war schon der Hammer. Die Schulleitung fragte, was denn mit ihrer Klasse los sei?

Unabhängig von den Gründen, wird bei dem Beispiel klar, dass die Beziehungsebene zwischen Schülern und Lehrerin nachhaltig gestört war. Was folgte, waren erst mal Gespräche, um das Gewitter nachhaltig zu reinigen. Vorher war die Klasse nicht mehr arbeitsfähig. Nicht jede Klasse ist so selbstbewusst, um das durchzuziehen. Sie hat damit unweigerlich demonstriert: „Wir lassen uns durch deine Machtposition nicht schwächen, entweder du nimmst uns ernst oder wir lassen dich auflaufen.“

Wir, also die Klasse, möchte mit ihrem Anliegen gesehen werden, nur die Strategien mit ihrem Bedürfnis umzugehen, sind eben unterschiedlich. In dem Fall war es ein Boykott. Andere Schüler eskalieren, andere wiederum ziehen sich zurück und verweigern sich. Wieder andere sprechen schlecht. Es gibt unzählige Strategien mit flammenden Konflikten umzugehen, die irgendwann überkochen.

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Hat man den Point of Return einmal ignoriert, wird es nur noch schwieriger, manchmal ist die Beziehung dadurch sogar nachhaltig gestört.

Beim nächsten Mal, wenn ihr in eine konfliktbehaftete Situation kommt, haltet euch vor Augen, dass der oder die Schüler euch in den wenigsten Fällen bewusst ärgern möchten, sondern dass hinter diesem Verhalten ein Anliegen versteckt ist, was gesehen werden will. Richtet eure Aufmerksamkeit deshalb auf sein Anliegen, anstatt wegzuschauen. Das Motto „Jetzt komm mal wieder runter“ funktioniert hier nicht. Schaut genau hin. Das klappt auch mit jedem anderen. Fragt euch, was genau diesen Menschen (den Schüler, den Kollegen, den Freund, …) beschäftigt! Hört genau zu. Begebt euch auf Augenhöhe. Begebt euch in seine Welt. In dem Modus könnt ihr fast alles besprechen.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass, wenn man genau hinhört und Bereitschaft signalisiert, sein Gegenüber zu verstehen, dieser sein Herz öffnet und die Geschichten, die einem dann anvertraut werden, eher schmerzhaft sind und mein tiefes Mitgefühl angesprochen haben.

Bevor euch beim nächsten Mal also die Hutschnur platzt oder ihr abgenervt aus der Haut fahrt, was irgendwo auch verständlich ist, weil ihr schon den ganzen Tag auf Sendung seid, (ich verstehe das, die Herausforderungen im Alltag, acht Stunden am Tag, sind immens) haltet kurz inne und fragt einfach mal: „wie geht es dir eigentlich? Erzähl mal…“  

Schafft damit eine Kultur der Wertschätzung, eine Vertrauensbasis, die eure Beziehung stärkt, anstatt stört, werdet ein Team. Mehr dazu findet ihr auf meiner Page zum Thema Leadership für Lehrer und angehende Lehrer.

Bianka Vetten

Bianka Vetten

Dein Lehrercoach & Partner

Ehemalige leidenschaftliche Studienrätin und Ausbilderin, Business- und Karrierecoach, Trainerin, Reiss Motivation Profile Masterin, Personal-, Organisations- und Teamentwicklerin

bianka@lehrercoaching.de

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